Peter Tandler

Beiträge: 19
Empfohlen:
Aktivität: hoch

Ein umfassendes Preisschild als Basis für verantwortungsbewusstes Konsumverhalten - Was kostet ein Produkt ökologisch, persönlich, sozial?

Hallo zusammen,

wir (hier im Familien- / Freundeskreis) hatte vor einiger Zeit eine Idee (mehr dazu unten im Text) - und fragen uns jetzt, was wir mit dieser Idee, d.h. eigentlich diesem Wunsch nun anfangen können. Und da hier ja auch einige Menschen zu treffen sind, die sich mit solchen Themen beschäftigen, wollte ich mal hören, was euch dazu einfällt :-)

Hier der gekürzte Text, vollständig findet ihr den hier online. Ich bin jedenfalls sehr gespannt auf eure Rückmeldungen!

Herzliche Grüße
Peter

Wir brauchen Transparenz:
Ein umfassendes Preisschild als Basis für verantwortungsbewusstes Konsumverhalten

Was kostet ein Produkt ökologisch, persönlich, sozial?

Wir brauchen Hilfe.

Durch die FridaysForFuture-Proteste und die damit verbundene Berichterstattung ist bei uns das Thema der Klima-Krise wieder sehr ins Bewusstsein gerückt. Als Verbraucher möchten wir unseren Beitrag dazu leisten, dass wir unseren Planeten lebenswert erhalten und mit den Ressourcen auskommen, die uns auch nachhaltig zur Verfügung stehen.

Nach dem, was wir gehört haben, haben Ernährung, Mobilität und sonstiger Konsum einen ziemlich großen Anteil am CO2-Ausstoß. Allerdings sehen wir aktuell keine Möglichkeit, wie wir selber überhaupt feststellen können, wie hoch unser anteiliger Ressourcen-Verbrauch ist. (Abgesehen von den allgemeinen Tests zum ökologischen Fußabdruck, die für eine konkrete Kaufentscheidung nur bedingt hilfreich sind – und wo ich darauf angewiesen bin, mein Konsumverhalten selber einzuschätzen, was nicht einfach ist.)

Wenn wir einkaufen gehen, dann sehen wir für alle Produkte den finanziellen Preis. Wir können also kontrollieren, dass wir mit unserem Konsum im Rahmen unseres Finanz-Budgets bleiben. Für die ökologischen Kosten haben wir keine Möglichkeit zu kontrollieren, in wie weit wir noch in unserem „ökologischen Budget“ sind. Wir wissen zwar, dass jedem Erdenbürger z.B. ein Anteil von unter 2 globalen Hektar (gha) pro Jahr des ökologischen Fußabdrucks (Ecological Footprint) „zusteht“. Und wir wissen, dass wir als Welt-Gemeinschaft unser ökologisches Jahresbudget schon etwa im August aufgebraucht haben („Earth Overshoot Day“). Als Verbraucher sehen wir uns aber immer wieder mit dem Problem konfrontiert, dass es faktisch nicht möglich ist, fundierte Informationen zum ökologischen Fußabdruck (o.ä.) eines Produkte zu finden. Dies benötigt aber jede/r von uns, wenn wir die Verantwortung für unser Konsumverhalten übernehmen möchten.

[...]

Als Verbraucher wünschen wir uns daher eine leicht verständliche Kennzeichnung, die wir bei unseren Kauf-Entscheidung berücksichtigen können. Wir möchten ein umfassendes Preisschild.

„Umfassend“ bedeutet, dass wir die Kosten in mehreren Kategorien wissen möchten, um eine Kaufentscheidung treffen zu können.

Unsere Gedanken hierzu:

  • Umwelt. Welche Kosten verursacht das Produkt für die Umwelt, durch Herstellung, Transport, Verpackung und ggf. Entsorgung (vgl. die Petition CO2e-Kennzeichnung auf Lebensmitteln vom 01.10.2019!)

  • Persönlich / Gesundheit. Welche „Wertigkeit“ hat ein Lebensmittel bzw. Produkt für die Gesundheit meines Körpers. Ist dieses Produkt eher gesundheitsfördernd oder gesundheitsschädlich (z.B.  Zuckergehalt in Keksen – vgl. Nutri-Score – oder Aluminium im Deo, Mikroplastik in Kosmetik).

  • Gesellschaft / Mitmenschen. Welche „sozialen Kosten“ entstehen durch Produktion / Transport / Entsorgung des Produkts für andere Menschen oder für die Gesellschaft als Ganzes. Hier denken wir vor allem an faire Konditionen für ArbeiterInnen bei der Produktion. (Fairtrade, Alnatura-Initiative „Faire Preise für unsere Milchbauern“, BSCI usw.)

  • Finanzen. Und letztendlich der Preis in Euro, der ja eh schon ausgewiesen ist ;-)

[...]

Rolf Wagner

Beiträge: 6
Empfohlen:
Aktivität: high

- Letztendlich wird es eine Transparenz nur geben, wenn Deine Brötchen nicht von einem Konzern in einer x-beliebigen Filiale aufgebacken werden, sondern Du den Bäcker kennst.

- Zur Erntezeit radelst Du zum Obstgut und pflückst Deine Äpfel selber. Die Streuobstwiese und die Obstbauergenossenschaft bieten einen transparenten Blick über die Weite der Landschaft.

- Du bringst dem Hünherhof Salatreste und erfreust Dich des Anblickes pickendes Federviehes. Am Geschmack der erworbenen Eier erkennst Du die Zufriedenheit des Getiers.

- Der Schuster fertigt die ein paar neue Schuhe an, aber erst wenn die alten irreparabel sind. Das Leder kommt von der nahegelegenen Gerberei neben dem Schlachthof.

-Also: Transparenz gibt  es nur durch Deine eigene Kontrolle.

(Als Beispiel einer nicht funktioniernder Kontrolle: Es gibt eine Datenbank "Wasser". Überprüft man nun das Wasser im Hühnerei, kann man feststellen, dass es gelegentlich passiert, dass ein niederländisch-gestempeltes Ei mit osteuropäischen Wasser gefüllt ist.....(Die Gebietsauswahl wurde rein zufällig ausgewählt!)

Peter Tandler

Beiträge: 19
Empfohlen:
Aktivität: high

Von Alnatura haben wir zu der Idee diese Stellungnahme bekommen (Auszug):

"[...] Einige Alnatura Molkereiprodukte aus Deutschland haben wir in Zusammenarbeit mit einem externen Institut hinsichtlich des ökologischen Fußabdrucks untersucht. Ziel der Studie war es, die verursachten CO2-Emissionen entlang des Lebenszyklus der Produkte zu ermitteln sowie weitere Umweltwirkungen wie zum Beispiel die Auswirkungen auf den Boden und die Biodiversität zu quantifizieren. Eine solche Analyse ist sehr zeit- und kostenaufwendig, was hauptsächlich am Aufwand für die Datenerhebung liegt. Die Studie hat mehrere Monate in Anspruch genommen und Kosten in Höhe eines fünfstelligen Euro-Betrags verursacht. Die ausschließliche Nutzung von Datenbanken anstelle eigener Datenerhebung betrachten wir nicht als Alternative, weil die Genauigkeit der Ergebnisse und damit der Erkenntnisgewinn stark abnehmen würde. Weitere Informationen und das Ergebnis der Studie, das auch viele auch von Ihnen gesetzt Impulse beinhaltet, finden Sie auf unserer Website: alnatura.de/de-de/alnatura-produkte/alnatura-produktwelten/alnatura-milch/boden-aufbauen-helfen

Einen Product Carbon Footprint (CO2-Fußabdruck eines Produktes) für alle unsere über 1.300 Alnatura Markenprodukte zu erstellen, ist für uns aktuell leider nicht umsetzbar - für ein von Ihnen vorgeschlagenes umfassendes Preisschild, das weitere Kosten berücksichtigt. Noch komplexer würde dies, wenn man die insgesamt rund 6.000 Artikel im Anatura Super Natur Markt betrachtete. [...]"

Von dem Bereichsleiter Nachhaltigkeit Ware bei REWE, den ich ganz kurz dazu ansprechen konnte (was keine offizielle Aussage von REWE war), meinte, dass er davon ausgeht, dass mittel- bis langfristig solche Informationen zum Abruf per App / QR-Code etc (wie bspw. durch die world watchers App, die nach eigener Aussage schon eine ziemlich gute Datenbasis haben) zur Verfügung stehen könnten, aber nicht als "Preisschild" (da der Platz hierzu viel zu gering sei).

Von der shift GmbH (shiftphones) kam diese Antwort: "[...] Eure Idee zu einem 'aufklärenden' Preisschild ist natürlich super. Allerdings sind wir gegenwärtig noch nicht so weit, dass wir euch hierbei in irgendeiner Form unterstützen könnten. Wir nehmen derzeit an einem Forschungsprojekt teil, mit dem wir im weiteren Verlauf unseren ökologischen Fußabdruck genauer analysieren können.[...]"

In diesem Zusammenhang finde ich die Kooperation von der GLS mit Ecosia natürlich super, um gleich bei der Suche schon solche Informationen bereit zu stellen (wenn auch erst einmal auf Ebene der Firmen, nicht der Produkte).

Peter Tandler

Beiträge: 19
Empfohlen:
Aktivität: high

@Futopolis-Team: Ich fand es recht schwierig, eine passende Kategorie hierfür in der denkBar auszuwählen.

Was dabei auch verwirrt: auf der Seite "Nachhaltige Wirtschaft" ist ein Button "neue denkBar" - aber dann muss ich doch eine Unterkategorie auswählen und ich finde, die sind alle für dieses Thema jedenfalls zu speziell und passen nicht so wirklich.