Ein freundliches Hallo an alle,
ich versuche mich jetzt neu in Futopolis, bin aber nicht sicher, ob ich da gleich zu Beginn in die richtigen Kategorien poste. Insofern bitte ich um Hilfe, wenn mein Post in der falschen Abteilung landet.

OK. Jetzt aber zum Thema: Ich glaube, das Video von Rezo: "Die Zerstörung der CDU" kennt hier jeder, das muss ich jetzt nicht extra vorstellen. Was mich jetzt interessiert, das ist, was ihr von dem Video haltet. Ich komme da nämlich in die seltsame Position eine Partei, der ich ganz und gar nicht nahe stehe, verteidigen zu müssen.

Mein Dilemma ist folgendes: Zunächst mal finde ich die Inhalte, die in dem Video zu sehen/ hören sind ziemlich OK. Auch wenn der Faktencheck zeigt, dass Rezo in manchen Bereichen recht unscharf argumentiert bzw. Fakten nicht ganz sauber wiedergibt. Lassen wir den Teil jetzt aber mal beiseite. Mir geht es um was Anderes: Rezo behauptet in dem Video, dass die großen Parteien, also CDU und SPD viel zu wenig gegen den Klimawandel unternommen hätten. Das geht meiner Meinung voll am Thema vorbei: Das Problem sind nicht die Parteien, das Problem ist die Tatsache, dass das Thema Klimawandel schlicht und einfach bis vor kurzem ein Minderheitenthema war. Das wollte einfach keiner hören. Genauso wie das Plastikproblem. Beide Themen sind nicht im aller geringsten neu, sondern (leider) Jahrzehnte alt und seit langem bekannt.

Ich muss sagen, dass sich in beiden Bereichen jetzt endlich mehr tut. Das ist super. Aber eine Partei dafür verantwortlich zu machen, dass die Masse der Wähler ein Thema hartnäckig ignoriert, ist ziemlich dumm.

Ich freue mich auf Antworten!
Raphael

Tilmann Böß

Dass die Erderhitzung aufgrund der anthropogenen Treibhausgasemissionen eine Tatsache ist, ist seit 30 Jahren erwiesen und wissenschaftlich unbestritten. Der öffentliche Konsens in dieser Frage war in 1980er Jahren sogar größer als heute, zunächst haben nämlich auch Konzerne wie Exxon ernsthaft überlegt, wie ihr Geschäftsmodell sich wandeln muss, wenn Treibhausgasemissionen politisch begrenzt werden; die großen Desinformationskampagnen starteten erst später, nachdem es keine politischen Entscheidungen zu dem Problem gab. Ich empfehle dazu das folgende Buch: Nathaniel Rich, Losing Earth
Besprechung beim BR, 2019-04-10: https://www.br.de/nachrichten/kultur/klimawandel-reportage-losing-earth…
Kolumne in der FR, 2019-04-12: https://www.fr.de/meinung/gibt-einen-ausweg-12186911.html

Dirk Wieseler

Hallo Raphael,
als ich Rezos Video gesehen habe war ich tatsächlich beeindruckt von Inhalt und Tiefe der Kritik, welche sich im wesentlichen an CDU, SPD und AfD richtet. Dann habe ich mir die Antwort der CDU dazu durchgelesen und dachte, ja so einfach ist die Welt dann doch nicht. Anschließend habe ich wiederum Faktenchecks zu den Antworten der CDU gelesen. Abschließend bin ich zu der Auffassung gelangt, dass die Kritik von Rezo, insbesondere zum Thema Klimaschutz, weitestgehend berechtigt und fundiert ist. Auch die Antworten der CDU schaffen nicht mehr Klarheit sondern tragen letztlich zur o.g. „Verantwortungsdiffusion“ bei. Daher sehe ich an der Stelle kein Dilemma, die CDU (einschl. SPD und AfD) verteidigen zu müssen, da sie in dem Punkt schlicht nicht ihren Job gemacht hat, sondern lediglich Placebo-Politik.
Kommen wir zu unserer gesellschaftlichen Verantwortung als Bürger dieses Landes. Ich glaube es fällt Menschen schwer, sich den Klimawandel bewusst zu machen, weshalb ich Rezos Video auch persönlich noch mal als Weckruf empfunden habe. Insbesondere vor dem Hintergrund, dass in wenigen Jahren die Konsequenzen des Klimawandels unumkehrbar sein werden. Und natürlich trägt jeder von uns die Verantwortung für sein eigenes Handeln. Aber beim Thema Rezo vs. Volksparteien geht es um die Verantwortung der Politiker. Und da genügt es eben nicht sich als „Klimakanzlerin“ feiern zu lassen, um dann aber den selbst gesteckten Zielen, die auf wissenschaftlichen Fakten und Notwendigkeiten beruhen, nicht die erforderlichen Konsequenzen folgen zu lassen. Da gilt für mich auch das Motto „wer will findet Wege, wer nicht will findet Gründe“.
Nun zu Deinem letzten Satz. Politiker der Volksparteien, die in den letzten Jahrzehnten die Regierungsverantwortung getragen haben an ihre Verantwortung zu erinnern finde ich nicht dumm. Ich finde es eher traurig, dass das ein Youtuber tun musste. Und da sind wir aus meiner Sicht an einem Kernproblem unserer Gesellschaft angelangt. Wir Bürger haben uns nämlich angewöhnt unsere politische Verantwortung an Politiker zu delegieren. Und wenn diese dann Politik mit der Prämisse machen, bei den nächsten Wahlen möglichst wiedergewählt zu werden, dann landen wir da wo wir heute stehen. Und die Frage wer dafür wie verantwortlich ist, die muss sich am Ende jeder selbst beantworten.
Schöne Grüße
Dirk

keinatomstrom

Jimmy Carter hat Ende der Siebziger seine Wissenschaftler beauftragt, einen Bericht zur zukünftigen Entwicklung zu fertigen. In "The Global 2000 Report to the President" werden alle Problematiken und absehbaren Fehlentwicklungen aufgezeigt. Jetzt ist der Selbstbedienungsladen "WELT" halt ausverkauft und wer hier irgendjemanden noch in Schutz nehmen möchte, kann dies tun. Besser wäre es dennoch keine Zeit mit Schuldzuweisungen zu verschwenden, sondern endlich das eigene Handeln dem jedem zur Verfügung stehenden Wissen anzupassen!

Stefanie Zenz

In der Psychologie gibt es ein untersuchtes Phänomen namens 'Verantwortungsdiffusion'. Kurz gesagt geht es darum: wenn jemand offensichtlich Hilfe benötigt und viele Menschen da sind, fühlt sich jeder nur wenig verantwortlich. Je weniger Menschen da sind, die helfen könnten, desto verantwortlicher fühlen sich diese.
Wie immer bestätigen zum Glück Ausnahmen diese Regel.

Auch wenn jeder Einzelne von uns etwas im Bezug auf Klima und Plastik beitragen kann, erwarten wir doch auch, dass unsere gewählten Volksvertreter zukunfts- und gemeinwohlorientierte Entscheidungen treffen.

Jedenfalls mir geht es so.